Centravital | Blog | 23.07.2026 | Inhaltsverzeichnis
Ertrinken erkennen und Erste Hilfe leisten

Astrid Steinbach
Centravital Geschäftsführung
1. Einleitung
Ein sonniger Tag am Badesee, ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit und schon kann aus Freude blitzschnell Ernst werden. Gerade weil ein Ertrinkungsunfall im Alltag so leicht passiert, entscheidet Ihr Handeln in den ersten Minuten über Leben und Tod. In diesem Ratgeber erfahren Sie, woran Sie eine Notlage im Wasser erkennen und wie Sie vom sicheren Bergen bis zur Wiederbelebung richtig reagieren.
2. Zusammenfassung
Das Wichtigste zusammengefasst
Bei einem Ertrinkungsunfall entscheiden die ersten Minuten. Diese Punkte fassen das richtige Vorgehen zusammen.
- Ertrinken verläuft meist lautlos, achten Sie auf eine senkrechte Haltung im Wasser und einen tief liegenden Kopf
- Denken Sie zuerst an den Eigenschutz und bergen Sie die Person nach Möglichkeit mit einem Hilfsmittel
- Setzen Sie sofort den Notruf 112 ab und prüfen Sie Bewusstsein und Atmung
- Bei fehlender Atmung beginnt die Wiederbelebung beim Ertrinken mit fünf Beatmungen, danach im Wechsel dreißig Herzdruckmassagen und zwei Beatmungen
- Entfernen Sie niemals Wasser aus der Lunge, das ist wirkungslos und kostet wertvolle Zeit
- Halten Sie die Person warm, um eine Unterkühlung zu vermeiden
- Auch nach scheinbarer Erholung gehört die Person ärztlich untersucht, da Beschwerden noch Stunden später auftreten können
3. Ablauf
Wie Ertrinken wirklich abläuft
Wer Ertrinken verstehen will, muss sich zuerst von einem weit verbreiteten Bild verabschieden. In Filmen wird eine ertrinkende Person laut rufend und wild rudernd gezeigt, doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Gerade dieses falsche Bild führt dazu, dass echte Notlagen viel zu spät bemerkt werden.
Warum Ertrinken meist lautlos passiert
Ein Mensch, der zu ertrinken droht, hat in aller Regel keine Kraft mehr, um die Arme hochzureißen oder um Hilfe zu schreien. Der Körper schaltet in einen instinktiven Überlebensmodus. Die Arme drücken seitlich flach auf die Wasseroberfläche, um den Kopf noch einen Augenblick oben zu halten.
Jede verfügbare Sekunde über Wasser wird zum Luftholen gebraucht, für einen Hilferuf bleibt schlicht keine Luft übrig.
Genau deshalb geht Ertrinken fast immer lautlos vor sich. Betroffene können direkt neben anderen Badegästen untergehen, ohne dass es jemand bemerkt. Meist bleiben nur wenige Sekunden, in denen ein Mensch handlungsfähig an der Oberfläche bleibt, bevor er unter Wasser gerät.
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Die typischen Anzeichen bei Betroffenen im Wasser
Da laute Warnsignale ausbleiben, müssen Sie die stillen Zeichen kennen. Ein deutliches Warnsignal ist eine senkrechte Körperhaltung im Wasser, bei der keine tragenden Beinbewegungen mehr zu sehen sind. Der Kopf liegt tief, oft mit dem Mund direkt auf Höhe der Wasseroberfläche, und der Blick wirkt glasig oder panisch.
Statt gezielter Schwimmzüge zeigen Betroffene häufig eine Art Kletterbewegung nach oben, als wollten sie eine unsichtbare Leiter erklimmen. Wichtig ist der Unterschied zu spielenden Menschen. Wer nur planscht, ruft, lacht und bewegt sich kontrolliert. Wer dagegen in Not gerät, verstummt und kämpft ums Überleben. Wenn der Kopf einer Person immer wieder kurz auftaucht und sofort wieder verschwindet, ist dringend Hilfe nötig.
4. Do’s and Don’ts
Sofortmaßnahmen bei einem Ertrinkungsunfall
Haben Sie eine Notlage erkannt, zählt jede Sekunde. Bei einem Ertrinkungsunfall gilt eine klare Reihenfolge, die Ihnen auch in der Aufregung Halt gibt. Sie schützen sich selbst, bringen die Person aus dem Wasser, alarmieren Hilfe und prüfen die lebenswichtigen Funktionen.
Die Person sicher aus dem Wasser holen
Die oberste Regel lautet Eigenschutz. Bringen Sie sich niemals selbst in Lebensgefahr, denn aus einem Opfer werden sonst schnell zwei. Nutzen Sie nach Möglichkeit ein Rettungshilfsmittel, das Sie der Person zureichen oder zuwerfen können. Geeignet sind eine Stange, ein Seil, ein Rettungsring oder jeder gut schwimmfähige Gegenstand.
Ziel ist es, die Person möglichst schnell an Land oder zumindest in flaches, sicheres Wasser zu bringen. Achten Sie bereits beim Bergen darauf, die Atemwege freizuhalten, also Mund und Nase über Wasser zu halten. Sobald Sie sicheren Boden erreicht haben, legen Sie die Person vorsichtig auf den Rücken und beginnen mit der weiteren Versorgung.
Notruf absetzen und Prioritäten richtig setzen
Parallel zur Rettung muss der Notruf unter der 112 erfolgen. Machen Sie klare Angaben zum Ort, zur Lage und zum Zustand der Person. Sind weitere Menschen in der Nähe, beziehen Sie diese aktiv ein und verteilen Sie Aufgaben, damit einer wählt, während ein anderer hilft.
Wichtig ist die richtige Priorität. Der Anruf darf die Rettung einer bewusstlosen Person aus dem Wasser nicht verzögern, denn ohne Sauerstoff zählt jede Sekunde. Stellen Sie Ihr Telefon nach Möglichkeit auf Freisprechen, so können Sie die Anweisungen der Leitstelle befolgen und gleichzeitig handeln. Melden Sie Veränderungen im Zustand der Person umgehend zurück.
Atmung prüfen und die Person stabilisieren
An Land folgen die grundlegenden Erste Hilfe Maßnahmen beim Ertrinken einem festen Ablauf. Sprechen Sie die Person zuerst an und prüfen Sie, ob sie reagiert. Anschließend kontrollieren Sie die Atmung, indem Sie für maximal zehn Sekunden auf Atembewegungen sehen, Atemgeräusche hören und den Luftstrom fühlen.
Atmet die Person normal, bringen Sie sie in die stabile Seitenlage und beobachten Sie sie ununterbrochen die Vitalzeichen, bis der Rettungsdienst eintrifft. Ein Punkt wird dabei besonders häufig falsch gemacht. Versuchen Sie niemals, Wasser aus der Lunge herauszudrücken oder die Person kopfüber zu schütteln. Das ist wirkungslos und gefährlich.
5. Wiederbelebung beginnen
Wiederbelebung nach dem Ertrinken
Reagiert die Person nicht und atmet sie nicht normal, müssen Sie sofort mit der Wiederbelebung beginnen. Beim Ertrinken gibt es dabei eine wichtige Besonderheit, denn hier steht der Sauerstoffmangel im Vordergrund. Deshalb weicht das Vorgehen leicht von der klassischen Reanimation ab.
Herz-Lungen-Wiederbelebung
Anders als bei anderen Notfällen starten Sie beim Ertrinken mit fünf anfänglichen Beatmungen, um den fehlenden Sauerstoff so schnell wie möglich zuzuführen. Danach wechseln Sie in den bekannten Rhythmus aus dreißig Herzdruckmassagen und zwei Beatmungen.
Drücken Sie in der Mitte des Brustkorbs etwa fünf bis sechs Zentimeter tief und arbeiten Sie mit einer Frequenz von rund einhundert bis einhundertzwanzig Kompressionen pro Minute. Setzen Sie beide Hände übereinander auf das Brustbein und lassen Sie den Brustkorb nach jeder Kompression vollständig entlasten. Machen Sie ohne Unterbrechung weiter, bis der Rettungsdienst übernimmt oder die Person wieder von selbst atmet. Steht ein automatisierter externer Defibrillator bereit, setzen Sie diesen ein und folgen den Sprachanweisungen des Geräts.
Reanimation bei Kindern
Bei Kindern ist der Sauerstoffmangel noch stärker der entscheidende Faktor, weshalb die Beatmung hier besonderes Gewicht hat. Die Technik passen Sie an das Alter an. Bei einem Kind drücken Sie weniger tief als bei einem Erwachsenen, bei einem Säugling genügen zwei Finger für die Herzdruckmassage.
Gerade bei den Kleinsten ist die Beatmung oft die wichtigste Maßnahme überhaupt. Viele Menschen zögern aus Angst, etwas falsch zu machen. Bitte lassen Sie sich davon nicht lähmen. Nichts zu tun ist immer die schlechteste Entscheidung, denn jede Maßnahme ist besser als tatenloses Zusehen.
6. Erwachsene und Kinder
Erste Hilfe bei Erwachsenen und Kindern im Vergleich
So klar der grundsätzliche Ablauf ist, so sehr unterscheiden sich die Umstände je nach Betroffenem. Wer die typischen Unterschiede zwischen Erwachsenen und Kindern kennt, kann im Ernstfall gezielter helfen.
Worauf es bei erwachsenen Betroffenen ankommt
Bei Erwachsenen entstehen Notlagen häufig durch Selbstüberschätzung, einen Kälteschock beim Sprung ins kalte Wasser oder durch Vorerkrankungen wie Herzprobleme. Die Erste Hilfe beim Ertrinken von Erwachsenen bringt zudem eine körperliche Herausforderung mit sich, denn eine bewusstlose erwachsene Person aus dem Wasser zu bergen kostet viel Kraft.
Eine besondere Situation entsteht, wenn die Person noch bei Bewusstsein ist und panisch kämpft. Nähern Sie sich in diesem Fall vorsichtig und möglichst von hinten, damit Sie nicht umklammert und selbst unter Wasser gezogen werden. Ruhe und eine klare Ansprache helfen, die Panik zu dämpfen.
Warum bei Kindern jede Sekunde zählt
Ertrinken gehört zu den häufigsten unfallbedingten Todesursachen im Kleinkindalter. Das Erschreckende daran ist, wie schnell und in wie wenig Wasser Kinder verunglücken. Schon wenige Zentimeter in einer Regentonne, im Gartenteich oder in der Badewanne können ausreichen.
Kinder fallen oft mit dem Gesicht nach unten ins Wasser und können sich aufgrund ihres hohen Körperschwerpunkts nicht selbst aufrichten. Hinzu kommt, dass sie lautlos und unbemerkt untergehen, häufig in unmittelbarer Nähe der Eltern. Für Eltern ist ein solcher Moment ein emotionaler Ausnahmezustand. Umso wertvoller ist es, die Handgriffe vorab geübt zu haben, denn eingeprägtes Wissen lässt sich auch unter größtem Stress abrufen.
7. Risiken berücksichtigen
Gefahren nach der Rettung nicht unterschätzen
Ist die Person gerettet und atmet wieder, ist die größte Gefahr häufig überstanden, doch nicht jede Gefahr ist damit gebannt. Zwei Risiken sollten Sie nach einem Badeunfall unbedingt im Blick behalten.
Das sekundäre Ertrinken und
seine Warnsignale
Auch nach einer scheinbar glücklichen Rettung kann Wasser, das in die Lunge gelangt ist, noch Stunden später zu Problemen führen. Fachlich spricht man dabei von den Folgen des eingeatmeten Wassers, umgangssprachlich ist der Begriff sekundäres Ertrinken verbreitet.
Achten Sie in den Stunden nach dem Vorfall auf Warnzeichen wie anhaltenden Husten, Atemnot, ungewöhnliche Müdigkeit oder Verwirrtheit. Treten solche Anzeichen auf, ist sofort ärztliche Hilfe nötig. Grundsätzlich gilt, dass eine Person nach einem Beinahe-Ertrinken ärztlich untersucht werden sollte, selbst wenn sie sich vollständig erholt zu haben scheint. Bei Kindern ist diese Vorsicht besonders wichtig.
Unterkühlung vermeiden und
die Person warm halten
Die zweite unterschätzte Gefahr ist die Unterkühlung. Sie droht auch dann, wenn das Wasser gar nicht besonders kalt war, denn der Körper verliert im Wasser sehr schnell Wärme. Ziehen Sie der Person daher nasse Kleidung aus und wickeln Sie sie in Decken, Handtücher oder trockene Kleidung ein.
Wärmen Sie langsam und behutsam und vermeiden Sie in der prallen Sonne gleichzeitig eine Überhitzung.
8. Schützen Sie sich selbst
Schwimmende Personen bergen und abschleppen
Manchmal lässt sich eine Person nicht vom sicheren Ufer aus erreichen und muss aktiv aus tieferem Wasser geholt werden. Diese Situation ist besonders heikel, weil sie den Retter selbst in Gefahr bringt.
Sich selbst schützen bei der Rettung im Wasser
Grundsätzlich gilt, dass Nichtschwimmer keine Rettungsversuche in tiefem Wasser unternehmen sollten. Alarmieren Sie in diesem Fall sofort Rettungsschwimmer, den Bademeister oder den Rettungsdienst. Wenn Sie sicher schwimmen können, gibt es Grifftechniken, mit denen Sie eine Person sicher abschleppen, ohne dabei selbst umklammert zu werden.
Nähern Sie sich einer panischen Person immer von hinten. Bewährt haben sich der Achselschleppgriff, bei dem Sie die Person von hinten unter den Achseln fassen, und der Kopfschleppgriff, bei dem Sie den Kopf vorsichtig sichern, ohne den Hals einzuengen. Beide liegen dabei auf dem Rücken, während Sie rückwärts zum Ufer schwimmen. Bleiben Sie ruhig und sprechen Sie klar mit der Person, denn das gibt Sicherheit und reduziert die Gegenwehr.
8. Vorsichtig sein
Ertrinken vorbeugen im Alltag und am Wasser
Die beste Erste Hilfe ist die, die niemals nötig wird. Viele Badeunfälle lassen sich mit einfachen Vorsichtsmaßnahmen verhindern, gerade im häuslichen Umfeld und dort, wo Kinder in der Nähe von Wasser sind.
Aufsicht und Sicherheit rund um Kinder
Kinder brauchen am Wasser eine lückenlose Aufsicht. Ob Pool, Gartenteich, Regentonne oder Planschbecken, ein kurzer Blick auf das Handy kann bereits zu lang sein. Sichern Sie Wasserstellen im häuslichen Umfeld ab, etwa durch Abdeckungen oder Zäune, und leeren Sie Behälter mit stehendem Wasser.
Frühes Schwimmenlernen und geeignete Schwimmhilfen erhöhen die Sicherheit zusätzlich, ersetzen aber niemals die Aufsicht. An offenen Gewässern gilt, Warnungen vor Strömungen ernst zu nehmen, unbekannte Gewässer zu meiden und bei großer Hitze nicht unabgekühlt ins Wasser zu springen. So senken Sie das Risiko spürbar, bevor überhaupt eine Notlage entstehen kann.
Wie ein Erste Hilfe Training auf den Ernstfall vorbereitet
Wissen aus einem Ratgeber ist ein wertvoller Anfang, doch im Ernstfall zählt, dass die richtigen Handgriffe wie von selbst sitzen. Genau hier setzt praktisches Training an.
Unter Stress ist rein theoretisches Wissen oft nicht abrufbar. Erst das aktive Üben schafft die Sicherheit, im entscheidenden Moment ruhig und richtig zu handeln. In einem praxisnahen Erste Hilfe Training üben Sie realistische Szenarien, von der stabilen Seitenlage bis zur vollständigen Wiederbelebung.
FAQ
Häufig gestelle Fragen
Wie erkenne ich, dass jemand am Ertrinken ist?
Betroffene rufen meist nicht. Achten Sie auf eine senkrechte Haltung im Wasser, den Kopf tief an der Oberfläche und fehlende Schwimmbewegungen.
Was muss ich als Erstes tun, wenn jemand ertrinkt?
Zuerst an den Eigenschutz denken, dann die Person mit einem Hilfsmittel bergen, den Notruf 112 alarmieren und Atmung sowie Bewusstsein prüfen.
Darf man einer ertrinkenden Person Wasser aus der Lunge drücken?
Nein. Versuche, Wasser herauszudrücken, sind wirkungslos und gefährlich. Beginnen Sie stattdessen sofort mit Beatmung und Wiederbelebung.
Wie funktioniert die Wiederbelebung nach einem Ertrinkungsunfall?
Starten Sie mit fünf Beatmungen, danach im Wechsel dreißig Herzdruckmassagen und zwei Beatmungen, bis der Rettungsdienst eintrifft.