Centravital | Blog | 07.04.2026 | Inhaltsverzeichnis
Vitalfunktionen überprüfen und lebenswichtige Veränderungen erkennen

Astrid Steinbach
Centravital Geschäftsführung
Hilfeleistungen kann nahezu jeder geben und Sie können einer betroffenen Person oft schon mit wenigen gezielten Handgriffen sinnvoll helfen. Wenn jemand ohnmächtig geworden ist, hilft ein ruhiger Blick auf die Vitalzeichen, um Veränderungen früh zu erkennen. Das ist gar nicht schwer, wenn Sie wissen, welche Werte und Reaktionen zu den Vitalzeichen zählen.
Überblick
Das Wichtigste zusammengefasst
Die Vitalzeichen lassen sich in zwei Ordnungen einteilen:
Erste Ordnung
- Bewusstsein
- Atmung
- Blutdruck
- Puls
- Körpertemperatur
Zweite Ordnung
Einordnung: Vitalfunktionen zweiter Ordnung ergänzen die Einschätzung des Gesundheitszustands, sind aber nicht unmittelbar lebensentscheidend.
Dazu zählen: Blutzucker, Wasserhaushalt, Schmerzen und Körpergewicht.
Abgrenzung: Werte der ersten Ordnung sichern das unmittelbare Überleben, Werte der zweiten Ordnung helfen bei der genaueren Beurteilung der Situation.
Anzeichen prüfen
- Bewusstsein prüfen: Person laut ansprechen und auf Reaktion achten.
- Atmung kontrollieren: Kopf überstrecken, Kinn anheben und zehn Sekunden sehen, hören und fühlen.
- Kreislauf einschätzen: Hautfarbe, Temperatur, Puls und starkes Schwitzen beobachten.
- Weitere Werte beachten: Schmerzen, Blutzucker, Flüssigkeitszustand und allgemeinen körperlichen Zustand erfassen.
Vitalzeichen Normalwerte
- Puls: bei Erwachsenen in Ruhe etwa 60 bis 80 Schläge pro Minute
- Atemfrequenz: bei Erwachsenen etwa 12 bis 20 Atemzüge pro Minute
- Blutdruck: bei Erwachsenen ungefähr 120/80 mmHg
- Körpertemperatur: etwa 36,5 bis 37,5 °C
- Sauerstoffsättigung: etwa 95 bis 100 Prozent
- Blutzucker nüchtern: etwa 70 bis 100 mg/dl
- Kapillarfüllungszeit: unter 2 Sekunden
- Bewusstseinslage: wach, orientiert und ansprechbar
Verständnis
Definition von Vitalzeichen
Vitalzeichen sind messbare oder beobachtbare Körperfunktionen, mit denen sich der aktuelle Zustand einer Person rasch einschätzen lässt. Wer sich fragt, was Vitalwerte sind oder welche Vitalzeichen es gibt, sollte vor allem die grundlegenden Funktionen kennen, die für die sofortige Beurteilung einer betroffenen Person entscheidend sind. Zur ersten Gruppe zählen die Vitalzeichen erster Ordnung, zur zweiten Gruppe Werte, die den Gesundheitszustand ergänzend beschreiben, aber nicht unmittelbar über Leben oder Tod entscheiden
Vitalzeichen erster Ordnung
- Bewusstsein
- Atmung
- Blutdruck
- Puls
- Körpertemperatur
Diese Vitalzeichen erster Ordnung haben unmittelbaren Einfluss auf das Überleben, weil schon kleine oder plötzliche Veränderungen schnell kritisch werden können. Sie stehen deshalb bei der ersten Einschätzung immer im Vordergrund.
Vitalzeichen zweiter Ordnung
- Blutzucker
- Wasserhaushalt
- Schmerzen
- Körpergewicht
Vitalfunktionen zweiter Ordnung zeichnen sich dadurch aus, dass sie den körperlichen Zustand ebenfalls wichtig ergänzen, aber in der akuten Ersteinschätzung meist nicht dieselbe unmittelbare Lebensrelevanz wie Atmung, Bewusstsein oder Kreislauf haben. Die Abgrenzung zu den Vitalzeichen erster Ordnung liegt also vor allem darin, dass Werte der zweiten Ordnung eher auf Belastungen, Störungen oder Entwicklungen hinweisen, während die erste Ordnung direkt über die akute Lebenssicherung entscheidet.
Gute und schlechte Vitalwerte
Vitalzeichen Normalwerte
- Puls (Erwachsene): ca. 60–80 Schläge pro Minute in Ruhe
- Atemfrequenz (Erwachsene): etwa 12–20 Atemzüge pro Minute
- Blutdruck (Erwachsene): ungefähr 120/80 mmHg
- Körpertemperatur: etwa 36,5–37,5 °C
- Sauerstoffsättigung (SpO₂): ca. 95–100 %
- Blutzucker (nüchtern): etwa 70–100 mg/dl (3,9–5,6 mmol/l)
- Kapillarfüllungszeit: unter 2 Sekunden
- Bewusstseinslage: wach, orientiert und ansprechbar
Von schlechten Vitalwerten spricht man, wenn einzelne Werte deutlich vom Normbereich abweichen oder wenn mehrere Auffälligkeiten gleichzeitig auftreten. Schlechte Vitalwerte können sich zum Beispiel durch auffällige Atmung, einen stark veränderten Puls, eine gestörte Bewusstseinslage oder kritische Vitalzeichen beim Blutdruck zeigen. Diese sollten immer sorgfältig beurteilt werden.
Vitalfunktionen überprüfen
Ablauf zur Überprüfung der Vitalfunktionen
Wenn Sie die Vitalfunktionen einer Person überprüfen möchten, hilft Ihnen eine klare Reihenfolge, um in einer belastenden Situation ruhig und sicher zu handeln. Ein fester Ablauf sorgt dafür, dass Sie strukturiert vorgehen und keine wichtigen Anzeichen übersehen, was in hektischen Momenten schnell passieren kann. Gerade bei der Kontrolle der Vitalzeichen ist es entscheidend, Beobachtungen bewusst nacheinander durchzuführen und Veränderungen früh zu erkennen. Ein nachvollziehbarer Ablauf der Vitalzeichenkontrolle erleichtert die Einschätzung, bei der Versorgung einer betroffenen Person in einer Notlage.
1. Bewusstsein prüfen
Sprechen Sie die Person zunächst laut an: „Hallo, können Sie mich hören?“ Reagiert sie nicht, rütteln Sie vorsichtig an den Schultern. Öffnet die Person die Augen, spricht oder bewegt sie sich, ist sie bei Bewusstsein.
Bleibt jede Reaktion aus, ist sie bewusstlos oder bewusstseinsgestört, und Sie müssen sofort die nächsten Vitalfunktionen prüfen.
2. Atmung kontrollieren
Ist die Person bewusstlos oder reagiert nur schwach, prüfen Sie als Nächstes die Atmung. Legen Sie eine Hand auf die Stirn, kippen Sie den Kopf leicht nach hinten und heben Sie das Kinn etwas an, damit die Atemwege frei sind. Beugen Sie sich mit Ihrem Ohr über Mund und Nase und achten Sie auf drei Punkte:
- Sehen Sie, ob sich der Brustkorb hebt und senkt
- Hören Sie auf Atemgeräusche
- Fühlen Sie, ob Atemluft an Ihrer Wange ankommt
Diese Kontrolle sollte etwa zehn Sekunden dauern und besonders konzentriert erfolgen.
3. Kreislauf einschätzen
Wenn die Person atmet, verschaffen Sie sich einen Eindruck vom Kreislauf. Achten Sie dabei auf die Hautfarbe, also ob sie blass, rosig oder bläulich wirkt, auf die Hauttemperatur, auf starkes Schwitzen und darauf, ob der Puls kräftig oder eher schwach tastbar ist. Wenn Sie den Puls messen, gewinnen Sie einen wichtigen Hinweis auf die Kreislaufstabilität, und auch auffällige Veränderungen bei der Vitalzeichen Temperatur können die Einschätzung ergänzen.
Starke Blutungen müssen Sie sofort erkennen und direkt versorgen, weil sie den Kreislauf schnell verschlechtern können. Eine ruhige und systematische Beobachtung hilft Ihnen, Auffälligkeiten früh zu bemerken.
4. Weitere Vitalwerte beobachten
Sind die lebenswichtigen Funktionen stabil, können Sie weitere wichtige Hinweise auf den Zustand der Person prüfen. Dazu zählen Schmerzen mit Ort und Stärke, der Blutzucker, wenn ein Messgerät vorhanden ist, der Flüssigkeitszustand mit Blick auf eine mögliche Dehydrierung sowie der allgemeine körperliche Zustand. Wenn Sie zusätzliche Vitalwerte messen, erhalten Sie oft wichtige Informationen, um die Lage besser einzuschätzen und dem Rettungsdienst gezielt weiterzugeben.
Wichtig:
Die wichtigste Regel lautet, immer zuerst Bewusstsein, Atmung und Kreislauf zu prüfen. Erst danach sollten Sie sich um weitere Werte kümmern, denn eine klare Reihenfolge hilft Ihnen, auch in stressigen Situationen ruhig zu bleiben und schnell die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Leitfaden
Was zu tun ist, wenn eine Person bewusstlos vor Ihnen liegt
1. Sie kommen als Ersthelfer zur Stelle und stehen vor einer Person, die nicht mehr ansprechbar ist.
2. Ihre Hilfe kann Menschenleben retten und ist oft gar nicht so schwer, auch wenn die Situation im ersten Moment belastend wirkt.
3. Viele Helfende haben in der Theorie gelernt, was zu tun ist, können sich in der Aufregung aber nicht sofort an jeden Schritt erinnern.
4. Atmen Sie deshalb zunächst einmal bewusst tief durch, um wieder einen klaren Gedanken fassen zu können.
5. Sprechen Sie die Person dann an, denn dieser erste Kontakt geschieht in der Regel ganz intuitiv.
6. Reagiert die betroffene Person nicht und Sie wissen nicht weiter, sollten Sie sofort Hilfe organisieren, entweder über Menschen in Ihrem Umfeld oder direkt telefonisch durch medizinische Unterstützung.
7. Bleiben Sie unbedingt bei der Person und handeln Sie nicht überhastet, sondern möglichst ruhig und aufmerksam.
8. Währenddessen sollten Sie die betroffene Person beobachten und die Vitalfunktionen überwachen, um Veränderungen früh zu erkennen.
9. Wenn Sie Ihre Kenntnisse auffrischen möchten, ist Centravital Ihr Ansprechpartner für einen Erste-Hilfe-Kurs.
Wann Sie 112 rufen sollten
In einer Notfallsituation gilt grundsätzlich: Wählen Sie lieber einmal zu früh den Notruf 112 als zu spät. Auch wenn Sie sich unsicher sind, sollten Sie sofort anrufen, denn eine schnelle Einschätzung durch die Leitstelle kann entscheidend sein.
Die 112 sollten Sie immer wählen, wenn eine Person nicht reagiert oder sich der Zustand deutlich verschlechtert.